Gartentipps

Wird eine Waldrebe regelmäßig zurückgeschnitten, dankt sie es mit einer überbordenden Blütenfülle.

Clematis – Rankende Schönheiten

Claudia Heger, 15. March 2022

Jetzt im März beginnt endlich nach den grauen und oft kalten Wintermonaten der Frühling und den Gartenfreunden kribbelt es nach dieser langen Zwangspause schon gewaltig in den Fingern. So langsam ist die Erde im Garten so weit angetrocknet, dass man sie wieder betreten kann. Je nach Wetterlage kann man schon mit der Gartenarbeit beginnen. Gibt es bereits mehrere warme Sonnentage hintereinander, kommen nicht nur die Frühlingsblüher aus der Erde und beginnen mit der Blüte, sondern die Stauden beginnen mit dem Austrieb. Nun ist es Zeit, die Wintermulchdecke aus Laub von den Blumenrabatten zu entfernen, damit sich der Boden tagsüber – wenn die Sonne scheint – erwärmen kann. Ab jetzt können Stauden und Gehölze gepflanzt werden. Wer Kletterrosen an einem Spalier an der Laubenwand oder einem Rosenbogen hat kann über die Kombination dieser Rosen mit einer Waldrebe (Clematis) nachdenken. Kletterrosen wirken in Kombination mit Waldreben sehr schön.

Die Waldrebe, auch Clematis genannt, ist eine ausdauernde Kletterpflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Weil ihre Triebe oft verholzen zählt sie nicht zu den Stauden sondern eher zu den Gehölzen, genauer zu den Lianen. Sie benötigt, um in die Höhe zu wachsen eine Kletterhilfe. Sie kann sich selbständig an einem Klettergerüst festhalten. denn ihre Blattstiele wickeln sich um alles, was sich umfassen lässt – egal ob Maschendrahtzäune oder dünnere Tonkinstäbe. Kombiniert mit einer Kletterrose hält die Waldrebe sich an dieser fest. Das schadet der Rose nicht.Es gibt ungefähr 300 verschiedene Clematisarten, deren Heimat Europa, Asien oder Amerika ist. Was die Größe und Farbenvielfalt der Blüten betrifft, haben die Züchter bei einigen Arten in den letzten Jahrhunderten sehr viele verschiedene Sorten hervorgebracht. Bekannt sind Waldreben aber schon seit dem 13. Jahrhundert. Damals wurde erstmals die in unseren Wäldern heimische Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) beschrieben.

Die Gewöhnliche Waldrebe wird auch Echte oder Gemeine Waldrebe genannt. Die verholzenden kletternden Triebe dieser Pflanze können eine Länge von
10 m erreichen. Mit Hilfe der sich windenden Blattstiele hält sie sich an den Zweigen von Bäumen fest. Ihre kleinen aber reichlich in Rispen stehenden weißlich-grünen Blüten entwickeln sich von Juni bis September. Auffallend sind die sich im Herbst entwickelnden Samenstände. Jeder einzelne Samen besitzt ein langes haariges Gebilde, das ihm als Flugapparat dient. Diese stehen in Büscheln zusammen und werden auch gern von Vögeln zum Auspolstern des Nestes verwendet. Doch findet die Verbreitung der Samen vorwiegend bei trockenem Wetter durch kräftigen Wind statt. Der Lebensraum der Waldrebe sind lichte Laubwälder, Gebüsche und Waldränder. Die Pflanze zeigt stickstoffhaltige (nährstoffreiche) Böden an. Alle Pflanzenteile enthalten ein Gift das phototoxisch wirkt. Gelangt es auf die Haut, können sich in Verbindung mit Sonnenlicht kleine Brandbläschen bilden. Ab und zu verirren sich die Samen in unsere Hecken im Kleingarten. Haben sie sich dort erstmal eingenistet, sind sie nur schwer daraus zu entfernen.

Eine andere heimische Art ist die Alpen-Waldrebe (Clematis alpina). Wie der Name andeutet ist sie in den Alpen zuhause. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Alpen über die Appenninen und Pyrenäen genauso wie über das Balkangebirge und die Karpaten. Ihre Ranken werden bis zu 3 m lang. Die aus vier blauvioletten Blütenblättern und zahlreichen Narbengriffeln und Staubgefäßen bestehenden Blüten können einen Durchmesser von bis zu 4 cm erreichen. Die Pflanze liebt kalkhaltigen Boden und ist deshalb nicht für jeden Gartenboden geeignet.

Ab dem 17. Jahrhundert kamen dann verschiedene Clematisarten als Zierpflanzen nach Europa. Die für unsere Gärten geeigneten Waldreben stammen fast alle aus dem asiatischen Raum.

In der Kultur am einfachsten ist die Berg-Waldrebe (Clematis montana). Wild wächst sie im Himalaya, China und Taiwan. Ihre sich kräftig entwickelnden Triebe können in einem Jahr bis zu 3 m lang werden. Insgesamt erreichen sie eine Länge von 10 m. Die vierzähligen hellrosa – manchmal auch weißen – Blüten öffnen sich von Mai bis Juni. Im Vergleich zu anderen in unseren Gärten kultivierten Arten sind ihre Blüten eher schlicht und kleiner, jedoch schmückt sich diese Waldrebe mit einer überbordenden Blüte. Allerdings entwickeln sich die Blüten nur am vorjährigen Holz.

Die bisher hier vorgestellten Wildarten benötigen eigentlich keinen Rückschnitt. Um sie etwas im Wuchs zu bremsen, kann man die Spitzen direkt nach der Blüte  einkürzen.

Die bekannteste Clematis ist wohl die Sorte ‚Jackmanii‘. Ihre auffallend großen aus vier dunkelvioletten Blütenblättern bestehenden Blüten bilden sich überreich an der Pflanze aus. Der Engländer George Jackmann züchtete sie bereits 1858 aus der Italienischen Waldrebe (Clematis viticella) und einer aus Ostasien eingeführten Art, der Wolligen Waldrebe (Clematis lanuginosa). Um ihre Blühwilligkeit zu erhalten muss diese Sorte jedes Jahr im Frühling stark (auf 30 – 50 cm) zurück geschnitten werden.

Die bei uns Gartenfreunden beliebtesten Clematis-Sorten sind Großblumige Hybride. Ihre Hauptblütezeit ist im Juni und Juli. Die aus bis zu acht großen Blütenblättern bestehenden Blüten können Durchmesser von 15 cm erreichen. Die Farben variieren von Rosa, Blau und Violett bis Weiß. In den letzten Jahrzehnten entstanden durch Züchtung viele zwei- oder mehrfarbige Blüten mit glatten oder gewellten Rändern oder Spitzen und runden Blütenblättern. Es gibt auch einige Gefüllte Sorten. Die meisten der Hybride blühen an den verholzten Trieben aus dem Vorjahr, können aber im Herbst an den neu gebildeten Ranken noch einmal blühen. Um die Blühwilligkeit der stark wachsenden Pflanzen zu erhalten, sollten sie regel- mäßig um ein Drittel oder sogar die Hälfte eingekürzt werden, am besten im Winter. Bekannte Sorten sind: ‚Dr. Ruppell‘ (rosarote Blütenblätter, die zu den Rändern hin heller werden), ‚Madame le Coultre‘ (weiß), ‚Nelly Mose‘ (hellrosa Blütenblätter, die zum Rand hin weiß werden), ‚The President‘(kräftig blauviolett)  und ‚Ville de Lyon‘ (kräftig rosarot).

Wer den Blütenflor von Clematis bis in den Herbst erweitern möchte, kann sich Italienische Waldreben (Clematis viticella) in den Garten pflanzen. Diese Waldrebenart ist robust und wird jedes Jahr im Frühling stark zurückgeschnitten, denn ihre Blüten entwickeln sich an den neu gebildeten Trieben. Im Gegensatz zu den Clematis-Hybriden sind ihre Blüten etwas kleiner, doch öffnen sie sich in verschwenderischer Fülle von Juni bis September. Dadurch wirken sie etwas zarter und filigraner. Auch in dieser Gattung hat die Züchtung eine Fülle von Blütenformen und -farben hervorgebracht, sodass es schwer fällt sich für eine bestimmte Sorte zu entscheiden.

Bis auf die kalkliebende Alpen-Waldrebe kommen alle anderen Clematisarten mit einem gut mit Humus versorgten nährstoffreichen Gartenboden zurecht. Da sie in der Natur in lichten Laubwäldern wachsen, mögen ihre „Füße“ nicht gern in der Sonne stehen. Kombiniert man sie mit Kletterrosen, pflanzt man sie einfach an die Nordseite der Rose. Ansonsten kann man den Fuß mit Bodendeckern oder niedrigen Stauden abschattieren.

Wenn man eine Waldrebe neu pflanzt, sollte man das Pflanzloch tief ausheben und gut mit organischem Dünger (Kompost und Hornspänen) versehen. Die Pflanze sollte 8 – 10 cm tiefer in den Boden gesetzt werden als sie im Topf gestanden hat. Gerade im Frühjahr ist eine gute Bewässerung wichtig, damit die Pflanze gut einwurzeln kann. Wenn dann in jedem Frühling der Fuß der Pflanze mit Grobkompost gemulcht wird und ein artgerechter regelmäßiger Rückschnitt erfolgt, dann kann man sich an einer jahrelang wiederkehrenden üppigen Blüte erfreuen.

Bild / Text Claudia Heger


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