Gartentipps

Blumenwiese

Blumenwiese anlegen

Bild und Text Claudia Heger, 14. October 2021

Das Thema Artenvielfalt ist seit Bekanntwerden der ökologischen Probleme auf unserer Erde mittlerweile bei fast jedem angekommen.
Besonders betroffen davon sind die Insekten. Untersuchungen in Krefeld haben gezeigt, dass innerhalb von 30 Jahren die Zahl der Insekten 

um ca. 70 % zurückgegangen ist. Die Artenvielfalt in der freien Landschaft nimmt ab. Wenn es so weitergeht, werden unsere Urenkel viele bunte Falter nur noch aus Büchern kennen. Das Problem für viele Insekten ist vor allem die Anwendung von Insektiziden in der Landwirtschaft. Doch auch die Zerstörung von Lebensräumen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Gerade Kleingärtner, die noch Obst und Gemüse im eigenen Garten anbauen wissen, wie wichtig die Bestäubung durch Insekten ist. Unsere Honigbiene, soweit sie in den Kleingartenkolonien vorhanden ist, übernimmt schon einen großen Teil der Bestäubung. Doch bei schlechtem Wetter oder Kälte fliegt sie nicht. Hier leisten die Wildbienen einen wichtigen Beitrag.
Alle Insekten durchlaufen während ihres Lebens verschiedene Wachstumsphasen, in denen sie ganz unterschiedliche Nahrung brauchen. Viele wissen, dass die Raupen von Admiral, Pfauenauge und Kleinem Fuchs auf die Brennnessel als Futter angewiesen sind. Stirbt die Brennnessel aus, so werden mit ihr auch diese Falter verschwinden. Nun ist die Brennnessel in der Natur nicht in Gefahr. Sehr viele Insekten sind auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen. Diese Spezialisten sind in Gefahr, wenn ihre Futterpflanzen aussterben.

Was kann der einzelne Kleingärtner nun tun?
Der Eine oder Andere hat vielleicht schon einmal über die Anlage einer Blumenwiese nachgedacht.
Eine Wildblumenwiese bietet sehr vielen verschiedenen Insekten Unterschlupf und Nahrung an. Wer seinen Sommerurlaub im Gebirge verbracht hat, erinnert sich an üppig bunte Blumenwiesen mit einer sehr hohen Artenvielfalt. In diesen Wiesen summt und brummt es vor Insekten, was auf einen sehr hohen ökologischen Nutzen hinweist. Es wäre doch schön, wenn ich so eine Wiese auch in meinem Garten anlegen könnte. Oder? Doch so einfach ist das nicht. Diese Wiesen im Hochgebirge sind über Jahrhunderte der Pflege durch den Menschen entstanden. Die Artenvielfalt hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei der Boden, denn diese Wiesen befinden sich meist auf sehr magerem oder sogar steinigem Grund, der für ihr Gedeihen wichtig ist. Sie werden ein- oder zweimal im Jahr (Einmahdwiesen im Juni/ Zweimahdwiesen im September noch einmal) gemäht, um Heu für die Tiere im Winter zu produzieren. Schon diese unterschiedliche Behandlung bringt am gleichen Standort unter gleichen Bodenbedingungen völlig unterschiedliche Artenzusammensetzungen hervor. Das kann über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dauern. So viel Zeit und vor allem Geduld haben wir Kleingärtner nicht. Man möchte möglichst schon im ersten Jahr etwas Blühendes haben, das die Insekten anzieht. Außerdem sind unsere Gartenböden in der Regel viel zu nährstoffreich, um eine solche Zusammensetzung zu ermöglichen. Die meisten Wiesenblumen sind wahre Hungerkünstler und würden auf unseren fetten Böden nicht wachsen. Doch sollte man den Traum von der eigenen Blumenwiese nicht gleich aufgeben. Mittlerweile gibt es sehr viele Alternativen, die auch im nährstoffreichen Gartenboden gedeihen.

Eine gute Blumenmischung erkennt man daran, dass auf dem Etikett die einzelnen Pflanzenarten aufgeführt sind, am besten mit botanischem und deutschem Namen. Die guten Mischungen enthalten viele Arten, damit ein gewisser Anteil der Mischung auch keimt. Dass alle Arten einer Mischung auskeimen ist nicht möglich. Es keimen nur die Arten aus, denen der Boden und die Licht- und Wasserverhältnisse zusagen.
Die Aussaat in eine vorhandene Rasenfläche funktioniert nicht. Der Boden muss sehr gut vorbereitet werden. Wird ein Teil der Rasenfläche umgewandelt, entfernt man vorher die Grassoden. Dabei wird Boden abgetragen, den man mit nährstoffarmem Sand auffüllen kann. Wurzelunkräuter dürfen auf der Fläche nicht mehr vorhanden sein. Danach wird der Boden eingeebnet. Dann hält man die Fläche einige Wochen feucht, falls es nicht regnen sollte, um das darauf auflaufende Unkraut anschließend zu entfernen (das Abhacken der jungen Keimlinge und anschließende Abharken reicht völlig). Erst dann kann man mit der Aussaat der Wiesenblumen beginnen. Meist enthalten die Mischungen unterschiedlich große Samen. Die sehr großen kann man heraussuchen und gleichmäßig auf der Fläche platzieren. Die feineren Samen sollten genau nach Angabe auf der Tüte oder Packung ausgebracht werden. Wem die Aussaatmenge zu klein ist, um sie gut auf der Fläche verteilen zu können, kann sie mit feinem Sand strecken. Um eine gleichmäßigere Verteilung zu gewährleisten wird der Samen einmal in Längsrichtung verstreut und dann noch einmal quer dazu. Allerdings wird der Samen dabei doppelt ausgebracht und es sollte dann pro Gang nur die Hälfte ausgestreut werden. Eingeharkt wird nicht, denn die meisten Arten sind Lichtkeimer.
Jetzt wird die Fläche mit einer Rasenwalze oder mit den Füßen angedrückt, damit der Samen Bodenschluss bekommt. Er keimt so besser und kann beim Bewässern nicht wegschwimmen. Die frisch eingesäte Fläche muss mindestens 3 Wochen ausreichend feucht gehalten werden, denn die unterschiedlichen Arten haben auch ganz unterschiedliche Keimdauern. Der beste Aussaatzeitpunkt für solche Mischungen ist der April oder Mai. Enthält die Mischung nur zwei- und mehrjährige Arten, sät man besser im September aus.

Am einfachsten angelegt ist eine Feldrandmischung aus nur vier Arten, die im ersten Jahr schön blühen und über Jahre hinweg weiterkultiviert werden können. Das sind Klatschmohn (Papaver rhoeas), Kornblume (Centaurea cyanus), Kornrade (Agrostemma githago) und Kamille (Matricaria chamomilla). Diese Kombination war früher an fast jedem Feldrand vertreten. Ausgesät wird im Frühling oder im Herbst. Die Pflanzen überstehen den Winter und blühen dann im nächsten Jahr schon sehr früh. Die nach der Blüte entwickelten Samen streuen aus und nach der Entfernung der alten Pflanzen und dem Auflockern der Erde keimen sie neu aus. Reine Wildarten haben übrigens das qualitativ beste und höchste Nektar- und Pollenangebot für die Insekten. 
Gute Wiesenblumenmischungen beinhalten einjährige Arten, damit es im ersten Jahr bereits blüht, diese werden aber von zwei- und mehrjährigen Arten abgelöst. Genießen kann man die Einjährigen nur im ersten Jahr, denn man kann den Boden wegen der ausdauernden Arten nicht mehr auflockern. Doch blüht es auch im zweiten Jahr und nach und nach setzen sich die ausdauernden Arten durch.

Es gibt im Handel die unterschiedlichsten Mischungen für bestimmte Zwecke: Schmetterlingsmischung, Nektarmischung für Bienen- und Hummeln, Mischungen, die Schnecken nicht schmecken. etc. Diese setzen sich meist aus nicht heimischen Sommerblumen zusammen, die wir teilweise sowieso schon im Garten haben. Für die meisten unserer heimischen Insekten sind sie nicht attraktiv. Wer allerdings für diese Insekten etwas tun will, sollte auf möglichst viele Wildpflanzen Wert legen, die in Mitteleuropa in der Natur vorkommen. Qualitativ gute Mischungen bieten Hof-Berggarten, Naturwuchs oder Syringa an. Da der Platz in unseren Kleingärten beschränkt ist, empfiehlt es sich, Mischungen ohne Gräser zu verwenden. Wir müssen kein Viehfutter erzeugen. Nach dem Mähen muss das Abgemähte von der Fläche entfernt werden. Nur so kann der Boden abmagern und vielleicht tauchen dann die nach einigen Jahren Magerspezialisten auf.Jetzt ist die beste Zeit, sich um die Beschaffung des Saatguts zu kümmern, und die Vorbereitungen zum Anlegen einer Blumenwiese können beginnen. Planung und Durchführung brauchen einige Zeit. So kann jeder Kleingärtner einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten und vielleicht können auch seine Urenkel noch viele bunte Falter im Original erleben.


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